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Die Christen und das Geschenk "eines von Frieden und Solidarität geprägten Mutes" angesichts der Pandemie: der Erzbischof Anastasios von Albanien in einem Brief an Andrea Riccardi

1 Juni 2020

Ökumene
Andrea Riccardichoronavirus

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Erzbischof Anastasios von der orthodoxen Kirche Albanien hat in einem Brief an Andrea Riccardi seine Gefühle als Christ und Hirte angesichts der Covid-19 Pandemie zum Ausdruck gebracht.

 

Lieber Prof. Riccardi, geliebter Bruder im Herrn,
Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaft auferstanden!

Vielen Dank für den freundlichen Brief und die herzlichen Glückwünsche vom 8. April 2020. Die Freundschaft zur Gemeinschaft Sant'Egidio und ihr Einsatz bleiben in unserem Gedächtnis lebendig in diesem schwierigen Augenblick der Geschichte, in dem wir uns für die Bedürftigen engagieren. In einem Osterhymnus wird über das grundlegende Geschenk gesprochen, das der auferstandene Herr uns macht: Als die Türen verschlossen waren, kam Jesus zu den Jüngern und schenkte ihnen Mut und Frieden.

Das bedeutet Freiheit von aller Angst, von Depression, von Angst vor einer unbarmherzigen Ungerechtigkeit. Freiheit von der Angst angesichts der verbreiteten Unsicherheit, der Gefahren durch die Armut. Freiheit von der Angst vor der Krankheit, vor der COVID-19 Pandemie. Freiheit von der Angst vor dem Tod.

Dieser Wagemut wird nicht durch einen abstrakten Optimismus gestärt, sondern durch zwei einzigartige Gegenmittel: der Glaube an den Gott der Liebe und der selbstlosen Liebe. Gott wird uns nicht verlassen. Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht (1 Joh 4,18).

Wer unter uns das Geschenk des Glaubens besitzt, sollte sich darum sorgen, ihn durch Demut, Studium und Gebet zu stärken und wie die Jünger bitten: "Herr, stärke unseren Glauben". Wir dürfen nicht vergessen, für alle zu beten, denen es schwer fällt zu glauben. Das ist eine Pflicht der Liebe und des Respekts ihnen gegenüber.

Wir feiern Ostern frei von jeder Angst. Auf den Schock und die Sorge, die diese Pandemie wie nie zuvor verbreitet hat, antworten wir mit der Unerschrockenheit, die uns der gekreuzigte und auferstandene Christus schenkt. Ein von Frieden und Solidarität geprägter Mut. Im liebevollen Gedenken an die Gemeinschaft Sant'Egidio und im Gebet für ihren Einsatz vor allem im schwierigen Moment dieser Pandemie hoffen wir, dass der gekeurzigte und auferstandene Herr Euer Leben erleuchte und Eure Werke im Frieden und in der Solidarität leite, die Christus als Sieger über den Tod erweckt. So verbleiben wir mit brüderlicher Liebe im auferstandenen Herrn!

Anastasios

Erzbischof von Tirana, Durres und ganz Albanien

Biographie



Die Christen und das Geschenk
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