Gedenken an die Mutter des Herrn

Teilen Auf

Fest der heiligen Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Die äthiopische Kirche, eine der ältesten in Afrika, verehrt den heiligen Michael als Schutzpatron.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Geist des Herren ruht auf dir,
der von dir geboren wird, wird heilig sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Ijob 3,1-3.11-17.20-23

Danach tat Ijob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag. Ijob ergriff das Wort und sprach: Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, die Nacht, die sprach: Ein Knabe ist empfangen. Warum starb ich nicht vom Mutterschoß weg, kam ich aus dem Mutterleib und verschied nicht gleich? Weshalb nur kamen Knie mir entgegen, wozu Brüste, dass ich daran trank? Still läge ich jetzt und könnte rasten, entschlafen wäre ich und hätte Ruhe, bei Königen, bei Ratsherren im Land, die Grabkammern für sich erbauten, oder bei Fürsten, reich an Gold, die ihre Häuser mit Silber gefüllt. Wie die verscharrte Fehlgeburt wäre ich nicht mehr, Kindern gleich, die das Licht nie geschaut. Dort hören Frevler auf zu toben, dort ruhen aus, deren Kraft erschöpft ist. Warum schenkt er dem Elenden Licht und Leben denen, die verbittert sind? Sie warten auf den Tod, doch er kommt nicht, sie suchen ihn mehr als verborgene Schätze. Sie würden sich freuen und jubeln, sie würden frohlocken, fänden sie ein Grab. Wozu Licht für den Mann auf verborgenem Weg, den Gott von allen Seiten einschließt?

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Hier sind, Herr, deine Diener,
uns geschehe nach deinem Wort.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Schweigen der Freunde - wir haben selbst die Erfahrung gemacht, dass man angesichts des Leidens oft nicht weiß, was man sagen soll - wird vom Schrei Ijobs zerrissen, der sich wie die Armen und Kranken aus den Psalmen im Gebet an Gott wendet und gleichsam ein großes Klagelied über den Lebenssinn eines leidenden Menschen anstimmt. So beginnt Ijobs großer Protest, der die göttliche Gerechtigkeit hinterfragt, ohne sich gegen Gott selbst zu wenden. Es ist die Frage, die die Menschen sich in der Geschichte immer und immer wieder stellen: Warum leidet der Gerechte, während der Übeltäter gedeiht? Ijob redet nicht gegen Gott und verflucht ihn nicht. Er weiß wohl, dass sein Gott ein Herr des Lebens ist. Doch welchen Sinn hat ein Leben, das wie das seine vom Tod und vom Leiden gekennzeichnet ist? Ijob stellt sein ganzes Dasein von der Geburt bis zum Tod zur Debatte. Seine Sprache ist beißend und hart. Zuerst verflucht er den Tag seiner Geburt: Warum soll man nicht lieber tot sein, ehe man das Licht der Welt erblickt, das für ihn nur Finsternis gewesen ist? Wir erkennen in seinen Worten die Tragödie so vieler Menschen, die leiden, deren Leben am seidenen Faden hängt und die unerbittlich dem Tode geweiht scheinen: ungeborene oder kranke Kinder, Gefangene und zum Tode Verurteilte, Todkranke, alleingelassene alte Menschen. Ijobs Worte sind jedoch auch von einer großen Weisheit erfüllt. Sie helfen, über den Sinn des Lebens und des Todes nachzudenken, der unvermeidlich scheint. Niemand kann ihm entkommen, er trifft unterschiedslos Reiche und Arme, Mächtige und die, die nicht zählen, den Häftling und seinen Peiniger, die Kleinen und die Großen, den Herrn und den Sklaven. Warum dann all diese Sorge um sich selbst, scheint Ijob zu fragen. Sie bringt nur Angst in das Leben des Menschen, denn „was mich erschreckte, das hat mich getroffen, wovor mir bangte, das kam über mich."