Vorabend des Sonntags

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Lesung des Wortes Gottes

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird in Ewigkeit nicht sterben.

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Micha 7,14-15.18-20

Weide dein Volk mit deinem Stab, die Herde, die dein Erbbesitz ist, die einsam im Wald wohnt mitten im fruchtbaren Land! Sie sollen wieder im Baschan und in Gilead weiden wie in den Tagen der Vorzeit. Wie in den Tagen, als du aus dem Land Ägypten auszogst, lass uns deine Wunder schauen! Wer ist Gott wie du, der Schuld verzeiht und an der Verfehlung vorübergeht für den Rest seines Erbteils! Nicht hält er auf ewig fest an seinem Zorn, denn er hat Wohlgefallen daran, gütig zu sein. Er wird sich unser wieder erbarmen, er wird niedertreten unsere Schuld. Ja, du wirst in die Tiefen des Meeres werfen alle ihre Sünden. Du wirst Jakob Treue und Abraham Liebe erweisen, wie du unseren Vätern geschworen hast in den Tagen der Vorzeit.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen,
so spricht der Herr.

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Dieser Abschnitt aus dem Buch Micha ist Teil einer echten Hoffnungsliturgie, in der sich ein besonderer Dialog zwischen Gott und Israel entfaltet. Anfangs fleht der Prophet zum Herrn, damit er sich für sein Volk einsetzt und die Wunder vom Exodus wiederholt: "Wie in den Tagen, als du aus Ägypten auszogst, lass uns deine Wunder schauen!" Er versucht darzulegen, warum Gott eingreifen muss, und nennt die Barmherzigkeit als eigentlichen Grund dafür. So verfasst Micha einen sehr kurzen und doch ergreifenden Hymnus auf die Barmherzigkeit: "Wer ist Gott wie du, der Schuld verzeiht und an der Verfehlung vorübergeht für den Rest seines Erbteils! Nicht hält er auf ewig fest an seinem Zorn, denn er hat Wohlgefallen daran, gütig zu sein." Dann wendet er sich mit einer kleinen Meditation an das Volk, um Hoffnung zu wecken: "Er wird niedertreten unsere Schuld", bekräftigt er. Mit zwei eindrücklichen Bildern stellt er sodann Gottes Barmherzigkeit dar: "Er wird niedertreten unsere Schuld", und dann, direkt an Gott gewandt: "Ja, du wirst in die Tiefen des Meeres werfen alle ihre Sünden." Der Herr lässt unser Unrecht und unsere Sünden im Meer versinken. Müssen wir nicht - so könnten wir ergänzen - betroffen sein angesichts einer so großen Liebe und uns von einem Gott lieben lassen, der nicht nur bereit ist, unsere Sünden immer zu vergessen, sondern sie sogar zu vernichten? Gott vergibt die Sünden Israels, "wie du unseren Vätern geschworen hast". Daher wird er wiederum seine Treue und sein Wohlwollen erweisen. All das wird vollendet durch die Sendung des Sohnes auf die Erde, der die ganze Last der Sünden auf seine eigenen Schultern lädt und durch sein Leiden am Kreuz endgültig vernichtet. Das Antlitz Jesu ist das Antlitz des rettenden Erbarmens.