Gedenken an die Kirche

Teilen Auf


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ich bin der gute Hirte,
meine Schafe hören auf meine Stimme,
und sie werden
eine einzige Herde sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Kohelet 1,2-11

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne? Eine Generation geht, eine andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit. Die Sonne, die aufging und wieder unterging, atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht. Er weht nach Süden, dreht nach Norden, dreht, dreht, weht, der Wind. Weil er sich immerzu dreht, kehrt er zurück, der Wind. Alle Flüsse fließen ins Meer, das Meer wird nicht voll. Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, kehren sie zurück, um wieder zu entspringen. Alle Dinge sind rastlos tätig, kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, nie wird ein Ohr vom Hören voll. Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was getan wurde, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: Sieh dir das an, das ist etwas Neues - aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind. Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren und auch an die Späteren, die erst kommen werden, auch an sie wird es keine Erinnerung geben bei denen, die noch später kommen werden.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebet einander!

Halleluja, halleluja, halleluja.

Kohelet ist ein Pseudonym, hinter dem sich der Verfasser dieser „Worte" verbirgt, und kann mit „Prediger" übersetzt werden. Der Begriff verweist auf die Versammlung (q?h?l), eine religiöse Versammlung vielleicht oder eine Gruppe von Jüngern oder, allgemeiner, das Volk (vgl. Koh 12,9). Die Lesung beginnt mit dem berühmtesten Satz aus diesem biblischen Buch: „Windhauch, das ist alles Windhauch." Das hebräische Wort für Windhauch, hebel, ist eine Metapher für das ganze Leben, ja die ganze Realität, die wie ein Windhauch ist. Der Verfasser greift die Vorläufigkeit, Unbeständigkeit, Bedeutungslosigkeit und Nichtigkeit auf, die überall lauert und dem ganzen menschlichen Leben zugrunde liegt. Zugleich aber erscheint das Leben auch als etwas Schönes. Zwar ist es ein mühsames Kommen und Gehen von allem, doch es gibt „nichts Neues unter der Sonne." Die Schöpfung, so deutet Kohelet an, scheint - ein bisschen wie der Wind, der kommt und geht - zu einer ziellosen und unaufhörlichen Bewegung verdammt. Dem Menschen, der in diesen Strudel der Hinfälligkeit hineingezogen wird, gelingt es nicht, in irgendeiner Frage das letzte Wort zu sprechen. Sein Diskutieren und Verstehen hört niemals auf! Seine Reden und Theorien sind eine unablässige und nie endende Suche: „Alle Dinge sind rastlos tätig, kein Mensch kann alles ausdrücken." Auch die Wissenschaft vermag den tiefen Sinn der Geschichte nicht zu erfassen und begreift den Wandel der Dinge nicht. Wenn das, „was geschehen ist", also die Naturphänomene, und das, „was getan wurde", also die menschliche Geschichte, nichts wahrhaft „Neues" hervorbringen, wo ist dann der Sinn, wo ist die Erfüllung dieses unendlichen Drehens zu finden? Man könnte meinen, dass dies eine Haltung der Resignation rechtfertigt. Oft heißt es ja: Es ist nicht zu ändern, es ist doch sowieso immer dasselbe! Doch Kohelet geht es nicht um die ewige Wiederkehr aller Dinge. Er deutet vielmehr an, dass das menschliche Dasein ein Ziel hat, weil Gott der Schöpfer ist. Für Kohelet ist nur eines sicher: Das Neue kann unmöglich vom Menschen kommen. Wenn wir dieses kleine Buch aber im Kontext der gesamten Heiligen Schrift lesen, begreifen wir, dass die Beständigkeit und der Sinn des Lebens aus Gott hervorgehen. Daran erinnern uns die Propheten: „Siehe, nun mache ich etwas Neues", sagt der Herr durch Jesaja (Jes 43,19).