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In Mexiko-Stadt, Armut und Hunger nach der Pandemie: Sant'Egidio vergrößert den Einsatz

27 Mai 2020 - MEXIKO STADT, MEXIKO

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Über tausend Einkäufe pro Woche für ebensoviele notleidende Familien

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Die COVID-19 Pandemie hat das Paseo de la Reforma vollkommen leer gefegt, es handelt sich um eine der wichtigen Regionen von Mexiko-Stadt mit Wolkenkrazern und Luxushotels.

Aus der Höhe dieser Gebäude sieht man niemanden mehr, außer Montag und Mittwoch Abend, denn an diesen beiden Tagen ist eine lange Schlange in der verlassenen Gegend zu sehen. Die Armen der Hauptstadt warten auf die Lebensmittelausgabe der Ehrenamtlichen der Gemeinschaft Sant'Egidio.

"Vor der Pandemie haben wir jeden Mittwoch ca. 200 Personen geholfen", berichtet César, während jetzt durch das Coronavirus der Einsatz viermal so hoch ist: "wir verteilen montags 500 Abendessen und mittwochs ebenso 500 von 20.00 bis 22.00 Uhr". Neben dem Essen werden auch Desinfektionsmittel verteilt, zudem wird bei jeden die Temperatur gemessen.

"Ich komme erst seit einem Monat hierher, ein Freund hat mich geschickt, denn hier gibt es Hilfe", sagt Efe, eine 60jährige Frau, die nicht genug zum Lebensunterhalt verdient. Sie sammelt Plastikflaschen und verkauft sich nach dem Gewicht, doch das ist jetzt nicht möglich.

ZUNEHMENDE ARMUT

Nach offiziellen Zahlen leben über 50 Millionen Menschen im Land in Armut, das sind 41,9% der Bevölkerung.

Durch diese Pandemie mit 6.090 Toten und 56.594 bestätigten Fällen (Zahlen vom 21. Mai 2020) könnten nach Schätzungen des Nationalrates für soziale Entwicklung (Coneval) bis zu 10 Millionen Mexikaner in Armut geraten.

Antonio ist ca. 50 Jahre alt und sagt: "Jetzt sind hier ziemlich viele Leute wegen der Arbeitslosigkeit in Mexiko. Es gibt kaum Arbeit. Einige Firmen haben geschlossen, viele haben ihre Arbeit verloren".

MIT LEEREM MAGEN

Minerva ist eine Frau im mittleren Alter mit einem Sohn; ihr Einkommen stammt aus dem Tianguis (dem Straßenhandel), doch jetzt "haben viele geschlossen wegen des Coronavirus". Minerva schaut ständig auf die Schlange, die vorwärtsgeht: "Hier geht es schnell voran, doch an anderen Stellen gibt es kein Essen", sagt sie mit einem Lächeln.

Die Ehrenamtlichen von der Gemeinschaft Sant'Egidio wollen niemanden allein lassen, weder Efe noch Antonio oder Minverva.

"Wenn man sich um jemanden kümmert, wenn man sich für jemanden interessiert, den niemand anschaut, dann fängt man an, den Menschen wieder ihre Würde zu geben. Das ist das Wichtigste. Es gibt viele Menschen voller Hoffnung, die sagen 'Ich bin nicht allein, sie haben mich nicht vergessen', das stimmt nachdenklich.

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