Liturgie des Sonntags

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24. Sonntag im Jahreskreis


Erste Lesung

Das Buch Jesaja 50,5-9

GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran. Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen. Wer kann mich für schuldig erklären? Siehe, sie alle zerfallen wie ein Gewand, das die Motten zerfressen.

Antwortpsalm

Psalm 114

Als Israel aus Ägypten auszog, Jakobs Haus aus dem Volk mit fremder Sprache,

da wurde Juda Gottes Heiligtum, Israel das Gebiet seiner Herrschaft.

Das Meer sah es und floh, der Jordan wich zurück.

Die Berge hüpften wie Widder, die Hügel wie junge Lämmer.

Was ist mit dir, Meer, daß du fliehst, und mit dir, Jordan, daß du zurückweichst?

Ihr Berge, was hüpft ihr wie Widder, und ihr Hügel, wie junge Lämmer?

Vor dem Herrn erbebe, du Erde, vor dem Antlitz des Gottes Jakobs,

der den Fels zur Wasserflut wandelt und Kieselgestein zu quellendem Wasser.

Zweite Lesung

Der Brief des Jakobus 2,14-18

Was nützt es, meine Brüder und Schwestern, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen - was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Aber es könnte einer sagen: Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir aus meinen Werken den Glauben.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Markus 8,27-35

Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Auf dem Weg fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christus! Doch er gebot ihnen, niemandem etwas über ihn zu sagen. Dann begann er, sie darüber zu belehren: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete mit Freimut darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen. Jesus aber wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Tritt hinter mich, du Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

"Wer ist dieser Jesus von Nazaret?" - das ist ohne Zweifel eine grundlegende Frage. Sie war es zu Lebzeiten Jesu und ist es auch heute noch. Im Markusevangelium nimmt diese Frage sogar die "räumliche" Mitte der Erzählung ein. Wir sind im achten der 16 Kapitel angekommen, aus denen das Markusevangelium besteht. Der Evangelist will andeuten, dass hier Jesu Weg in die heilige Stadt beginnt. Von diesem Moment an spricht Jesus den Jüngern gegenüber "mit Freimut", ohne dass ihn noch irgendetwas zurückhält. Deshalb lässt Jesus das, was die Leute sagen, beiseite und wendet sich direkt an die Jünger: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" Petrus antwortet offen und eindeutig: "Du bist der Christus". "Christus" ist die griechische Übersetzung des hebräischen "Messias" und bedeutet "der Gesalbte".
Auf diese Worte hin, die ihn als den Messias anerkennen, beginnt Jesus von seinem Leiden zu sprechen. Er sagt, der Menschensohn werde vieles erleiden müssen und von den Ältesten des Volkes, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; dann werde er getötet werden und am dritten Tage auferstehen. Petrus konnte das "Ende", das Jesus ihnen ankündigt, nicht akzeptieren. Hier prallen zwei Messiasvorstellungen aufeinander: Die Auffassung des Petrus, die mit Stärke, überlegener Macht und der Errichtung eines politischen Reiches verbunden ist, und die Vorstellung Jesu, die von der Erniedrigung bis in den Tod gekennzeichnet ist und doch mit der Auferstehung enden wird.
Derselbe Jünger, der Jesus im Namen der anderen als Messias anerkannt hat, wird jetzt zum Gegner. Jesus kann nicht umhin, ihn im Beisein aller zurechtzuweisen. Mit schockierender Härte sagt er zu ihm: "Tritt hinter mich, du Satan!" Ähnliche Worte finden sich im Matthäusevangelium am Ende der Versuchungen in der Wüste. Jesus ruft die Menge, die ihm folgte, zu sich und erklärt, dass jeder, der sein Jünger sein will, sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen muss. Dann fügt er hinzu: Wer sein Leben auf diese Weise verliert, wird es in Wirklichkeit retten. All das wird am Tag der Auferstehung Jesu klar zutage treten. Doch schon jetzt sind der Dienst am Evangelium und am Herrn ein Weg, auf dem auch wir ein erfülltes, gottgemäßes Leben führen können.