Pfingstsonntag

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Pfingsten


Erste Lesung

Der erste Brief an die Korinther 12,3-7.12-13

Darum erkläre ich euch: Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht! Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet. Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

Antwortpsalm

Psalm 104

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.

Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser.
Du nimmst dir die Wolken zum Wagen, du fährst einher auf den Flügeln des Sturmes.

Du machst dir die Winde zu Boten und lodernde Feuer zu deinen Dienern.

Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet; in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.

Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen.

Sie wichen vor deinem Drohen zurück, sie flohen vor der Stimme deines Donners.

Da erhoben sich Berge und senkten sich Täler an den Ort, den du für sie bestimmt hast.

Du hast den Wassern eine Grenze gesetzt,
die dürfen sie nicht überschreiten; nie wieder sollen sie die Erde bedecken.

Du läßt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, sie eilen zwischen den Bergen dahin.

Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank, die Wildesel stillen ihren Durst daraus.

An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.

Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, aus deinen Wolken wird die Erde satt.

Du läßt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde

und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Gesicht von Öl erglänzt und Brot das Menschenherz stärkt.

Die Bäume des Herrn trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.

In ihnen bauen die Vögel ihr Nest, auf den Zypressen nistet der Storch.

Die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht.

Du hast den Mond gemacht als Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht.

Du sendest Finsternis, und es wird Nacht, dann regen sich alle Tiere des Waldes.

Die jungen Löwen brüllen nach Beute, sie verlangen von Gott ihre Nahrung.

Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim und lagern sich in ihren Verstecken.

Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, an seine Arbeit bis zum Abend.

Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.

Da ist das Meer, so groß und weit, darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere.

Dort ziehen die Schiffe dahin, auch der Leviátan, den du geformt hast, um mit ihm zu spielen.

Sie alle warten auf dich, daß du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.

Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein; öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.

Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört;
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde.

Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde.

Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; der Herr freue sich seiner Werke.

Er blickt auf die Erde, und sie erbebt; er rührt die Berge an, und sie rauchen.

Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe, will meinem Gott spielen, solange ich da bin.

Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am Herrn.

Doch die Sünder sollen von der Erde verschwinden,
und es sollen keine Frevler mehr dasein. Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

Zweite Lesung

Die Apostelgeschichte 2,1-11

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber - wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird,
kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Johannes 20,19-23

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Geist des Herren ruht auf mir,
er hat mich gesandt,
damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

„Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort." Fünfzig Tage waren seit dem Paschafest vergangen. Wie es die Jünger inzwischen gewohnt waren, waren sie zusammen mit Maria und den anderen Frauen im Abendmahlsaal versammelt. Denn seit Ostern hatten sie nicht aufgehört, sich zu versammeln, um gemeinsam zu beten, auf die Schrift zu hören und geschwisterlich zu leben. Diese apostolische Tradition ist bis heute nie unterbrochen worden. Nicht nur in Jerusalem, sondern auch in vielen anderen Städten versammeln sich die Christen immer wieder „alle zusammen am selben Ort", um auf das Wort Gottes zu hören, sich vom Brot des Lebens zu nähren und weiter zusammen im Gedächtnis an den Herrn zu leben.
Dieser Pfingsttag hatte für die Jünger aufgrund der Ereignisse im Abendmahlsaal wie auch außerhalb grundlegende Bedeutung. Die Apostelgeschichte berichtet, dass am Nachmittag „plötzlich vom Himmel her ein Brausen" kam, „wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt". Er erfüllte das Haus, in dem die Jünger waren. In diesem Abendmahlsaal machten die Jünger wirklich die Erfahrung eines Erdbebens, das zwar hauptsächlich im Inneren vor sich ging, das sie jedoch alle und auch ihre Umgebung in sichtbarer Weise ergriff. Sie sahen „Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden". Diese Erfahrung veränderte sie alle zutiefst, von den Aposteln bis zu den Jüngern und den Frauen.
Dieses innerliche Erdbeben, das die Herzen der Jünger verwandelte, hatte auch Auswirkungen nach außen. Die verschlossene Tür wurde geöffnet, und die Jünger fingen an, zu der herbeigeströmten Menge zu sprechen. Die lange und detaillierte Aufzählung der Völker bedeutet, dass die ganze Welt anwesend war, denn alle Völker werden genannt. Während die Jünger Jesu sprechen, können alle sie in ihrer Muttersprache verstehen. „Wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden", sagen sie staunend. An diesem Tag hat der Geist des Herrn begonnen, Grenzen zu überwinden, die unüberwindlich schienen. Pfingsten setzt Babel ein Ende. Der Heilige Geist leitete eine neue Zeit ein, die Zeit der Kommunion und der Geschwisterlichkeit. In Jerusalem nimmt die Kirche zwischen Abendmahlsaal und Straße ihren Anfang, denn erfüllt vom Heiligen Geist überwinden die Jünger ihre Angst und beginnen zu predigen. Jesus hatte zu ihnen gesagt: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten" (Joh 16,13).
Der Geist ist herabgekommen, und seit diesem Tag führt er die Jünger weiter auf den Wegen der Welt. Im Brief an die Galater schreibt der Apostel Paulus: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit" (Gal 5,22-23). Diese Früchte braucht die ganze Welt. Pfingsten ist der Beginn der Kirche. Der Heilige Geist wurde auch über uns ausgegossen, damit wir heraustreten aus unserem kleinlichen Denken und unserer Verschlossenheit, um die Liebe des Herrn zu bezeugen und sein Evangelium allen Geschöpfen bis an die Enden der Erde zu verkünden.