Gedenken an die Heiligen und die Propheten

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Gedächtnis der Schmerzen Mariens, die unter dem Kreuz mitgelitten hat. Gedenken an alle, die Mitleid zeigen mit den Gekreuzigten, Verlassenen und Verurteilten.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr seid ein auserwählter Stamm,
ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk,
ein Volk, das Gott erworben hat,
um seine Wunder zu verkünden.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Johannes 19,25-27

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr werdet heilig sein,
weil ich heilig bin, spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gleich nach dem Fest der Kreuzerhöhung begeht die Liturgie das Fest der Schmerzensmutter. Der Titel der schmerzensreichen Muttergottes erlebte in den vergangenen Jahrhunderten eine enorme Verbreitung und hat die christliche Frömmigkeit zutiefst beeinflusst. In knappen Zeilen erzählt uns das Johannesevangelium das außergewöhnliche Geheimnis der Anwesenheit Marias, die im Moment seines Kreuzestodes an der Seite ihres Sohnes bleibt und von ihm ausgerechnet am Kreuz einen neuen Sendungsauftrag empfängt. Das Leiden Jesu ist zweifellos von Gewalt und Verrat gekennzeichnet - aber nicht nur. Leiden und Kreuz haben auch ein Loblied auf das neu entstehende Leben hervorgebracht. Denn Jesus bittet vom Kreuz herab nicht um Trost für sich selbst, wie wir es mit Fug und Recht getan hätten. Trotz jenes dramatischen an den Vater gerichteten Schreis der Gottverlassenheit, bittet er auch nicht darum, von dieser Qual erlöst zu werden. Der ans Kreuz genagelte und sterbende Jesus sorgt sich vielmehr um dieses kleine Grüppchen, das er unter seinem Kreuz versammelt sieht: vor allem um seine Mutter und den jugendlichen Jünger, der nun unter dem Kreuz wieder bei ihm ist, nachdem er zunächst geflohen war. In diesem Jünger erkennt Jesus das Antlitz der Jünger aller Zeiten und auch unser Antlitz. Durch jenen Jünger vertraut Jesus uns alle seiner Mutter Maria und damit der Kirche, der Gemeinschaft der Glaubenden an. Umgekehrt macht er seine Mutter Maria der Kirche und jedem von uns zum Geschenk. Beim Kreuz ist eine neue Familie entstanden. Wir sind einer oftmals stiefmütterlichen Gesellschaft nicht hilflos ausgeliefert. Jesus bittet Maria, auch unsere Mutter zu sein. Sterbend vertraut er ihr eine neue Aufgabe, eine neue Sendung an: Die Mutter aller zu sein. Bei den Kirchenvätern findet sich das Wort, dass man "nie genug sprechen" könne über Maria, über diese Mutter. Das ist in gewisser Hinsicht sehr wahr, denn Maria ist die Erste der Glaubenden, die Erste, deren Herz dem Herzen des Sohnes gleicht. Die vielen Darstellungen der Schmerzensmutter, die überall im gläubigen Volk verbreitet sind, zeigen, dass wir alle eine Mutter wie Maria brauchen. Jesus hat sie uns geschenkt. Heute sind wir in ihrer Nähe, damit sie uns zur Seite steht, wie sie Jesus zur Seite stand, und uns beschützt.