Gedenken an die Armen

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Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Matthäus 5,38-42

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin! Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel! Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm! Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab!

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das alte Gesetz "Auge um Auge und Zahn um Zahn" wollte die Rache regulieren, damit sie nicht grenzenlos und unerbittlich wird. Diese Vorschrift war sicherlich weise, um Übergriffe und Exzesse zu vermeiden. Doch sie hatte nicht die Kraft, darüber hinaus auch den Hass auszumerzen. Der Weg, den Jesus hingegen weist, ist der einer überschwänglichen Liebe. Das Böse kann nicht durch noch mehr Böses besiegt werden, und sei es auch durch Regeln kontrolliert, sondern nur durch ein Gutes, das noch größer ist als das Böse. Mit seinen Aussagen stellt Jesus eine Mentalität auf den Kopf, die in seiner Zeit sehr verfestigt war. Doch auch wir leben in einer von Rachedenken und Anspruchshaltungen durchdrungenen Kultur. Man denke nur an die Vorurteile, die das öffentliche Verhalten prägen, und an die Einstellung weiter Teile der Bevölkerung gegenüber den Strafgefangenen. Obwohl die Rechtswissenschaft Strafhaft als Weg der "Befreiung" von der Schuld vorsieht und nicht als Rache der Gesellschaft, zeigt sich im allgemeinen Denken eine ganz andere Einstellung. Das Evangelium fordert den Jünger nicht nur dazu auf, in seinem Verhalten auf Rache zu verzichten, sondern sogar dazu, den Instinkt zur Rache durch das Hinhalten der anderen Wange auf den Kopf zu stellen. Diese Lehre Jesu wurde häufig nicht verstanden oder sogar belächelt. Doch leider verbreitet sich in unseren Gesellschaften ungebremst ein Rachedenken, das die Beziehungen unter den Menschen vergiftet. Jesus möchte, dass unter uns Gefühle der Geschwisterlichkeit wachsen. Eine Logik von Gewalt und Tod liegt ihm vollkommen fern. Er ist gekommen, um eine neue Lebensweise auf der Grundlage der gegenseitigen Liebe zu beginnen. So wird das Böse durch das Gute besiegt. Auf dem Weg der Liebe gibt der Jünger auch seinen Mantel her, wenn er darum gebeten wird, und er ist bereit, auch die doppelte Strecke mit dem zu gehen, der um seine Begleitung bittet. Von dem, der ihn um Hilfe bittet, wendet er sich nicht ab. Durch diese Liebe wird das Böse im Keim erstickt und der Weg zu einem guten und würdigen Leben für alle aufgetan.