Gedenken an den gekreuzigten Jesus

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Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Kohelet 3,1-11

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten/ und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen/ und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden. Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt? Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. Das alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. Überdies hat er die Ewigkeit in ihr Herz hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Die Zeit zu erkennen ist ein Zeichen von Weisheit. Mit dieser Zusammenstellung von sieben Gegensatzpaaren will Kohelet das gesamte menschliche Leben mit seinen verschiedenen Jahreszeiten oder „Geschehen" umfassen. Doch es ist nicht der Mensch, der sein Leben webt. Wir entscheiden nicht selbst über unsere Geburt und unseren Tod, und auch die Pole, die unser Leben strukturieren, können wir nicht aus der Welt schaffen. Alles unterliegt einer Ordnung: „Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit". Mit der Aufzählung, die Kohelet vorlegt, will er die Vorstellung der Unordnung zurückweisen. Den Sinn dieser Abläufe zu erfassen oder sie gar zu steuern, ist dem Menschen jedoch nicht gegeben. Der Text unterstreicht die Misere des menschlichen Erkennens. Das ganze Dasein ist ein vielfältiges und abwechslungsreiches, aber sinnloses „Tun". Der Mensch müht sich ab, um Ergebnisse zu erzielen, um Ziele zu erreichen, um die Welt aufzubauen, aber er ist nicht ihr Herr. Doch warum soll er sich dann anstrengen, wenn er die Früchte seiner Mühen nicht genießen kann? Kohelet weist die Vorstellung zurück, dass Gott einen Fehler gemacht haben könnte, und erinnert daran, dass er vielmehr „das alles ... schön gemacht [hat] zu seiner Zeit." Es ist also „schön", geboren zu werden, und „schön", zu sterben. Es ist „schön", zu lieben, und auch „schön", zu hassen, und so fort. Die gesamte Schöpfung besitzt eine eigene, innere Harmonie. Die Erfahrung lehrt uns, dass das Leben sehr schwierig zu leben und zu verstehen ist, „doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte." Gott aber hat „die Ewigkeit in ihr Herz hineingelegt". Zwar gelingt es dem Menschen nicht, den Sinn der aufeinanderfolgenden Zeiten zu begreifen, doch kann er die Ewigkeit, die Zeit Gottes erkennen. Gerade im Wissen um seine Begrenztheit öffnet sich der Mensch für den Sinn des Geheimnisses Gottes, dem nichts entgeht.