Gedenken an die Mutter des Herrn

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Gedenktag der heiligen Klara von Assisi († 1253). Sie folgte dem heiligen Franziskus auf dem Weg der Armut und der Einfachheit des Evangeliums.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Geist des Herren ruht auf dir,
der von dir geboren wird, wird heilig sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Ezechiel 2,8-3,4

Du aber, Menschensohn, höre, was ich zu dir sage. Sei nicht widerspenstig wie das Haus der Widerspenstigkeit! Öffne deinen Mund und iss, was ich dir gebe! Und ich schaute und siehe: Eine Hand war ausgestreckt zu mir; und siehe, in ihr war eine Buchrolle. Er rollte sie vor mir auf. Sie war innen und außen beschrieben und auf ihr waren Klagen, Seufzer und Weherufe geschrieben. Er sagte zu mir: Menschensohn, iss, was du vor dir hast! Iss diese Rolle! Dann geh, rede zum Haus Israel! Ich öffnete meinen Mund und er ließ mich jene Rolle essen. Er sagte zu mir: Menschensohn, gib deinem Bauch zu essen, fülle dein Inneres mit dieser Rolle, die ich dir gebe! Ich aß sie und sie wurde in meinem Mund süß wie Honig. Er sagte zu mir: Menschensohn, mach dich auf, geh zum Haus Israel und sprich mit meinen Worten zu ihnen!

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Hier sind, Herr, deine Diener,
uns geschehe nach deinem Wort.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Prophet empfängt seine Sendung von Gott durch eine Art sakramentale Liturgie. Zuerst fordert der Herr Ezechiel auf, zuzuhören und zu gehorchen: „Menschensohn, höre, was ich zu dir sage. Sei nicht widerspenstig". Er weiß noch gar nicht, welche Aufgabe ihm der Herr anvertrauen wird, doch die Voraussetzung ist der Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes. Vor dem Herrn sind wir zuallererst dazu aufgerufen, sein Wort aufzunehmen und in die Tat umzusetzen. Das ist der Sinn des Glaubens. Wir werden ebendann zu Gläubigen, wenn wir uns auf das Wort Gottes verlassen, treu darauf hören und es eins zu eins umsetzen. Das macht uns zu Gläubigen und somit zu Propheten, also zu Menschen, die das Wort des Herrn übermitteln. Ohne diese Bereitschaft zum Zuhören - die ihrerseits die Demut erfordert, sich auf jemand anderen zu verlassen - kann man keine Sendung empfangen. Sich Gott anzuvertrauen ist in gewisser Weise nicht nur die Voraussetzung für die Sendung, sondern auch die Grundlage des Glaubens. Der Prophet sieht die Hand Gottes, die sich zu ihm ausstreckt und ihm eine von innen und von außen beschriebene Schriftrolle entgegenhält. Es handelt sich um ein Pergament, das von beiden Seiten beschrieben ist. In der Schriftrolle ist das enthalten, was Gott mitgeteilt wissen will und was sich dem Propheten tief ins Herz und sogar ins Fleisch hineinsenken muss. Er muss sich von jener Schriftrolle ernähren. Sie ist seine wahre Speise. Er muss sie verdauen wie das Brot: „Menschensohn, iss, was du vor dir hast! Iss diese Rolle! Dann geh, rede zum Haus Israel!" Der Prophet spricht nicht nur nicht aus eigener Initiative - er ist auch nicht dazu berufen, eine abstrakte Lektion zu wiederholen oder eine Theorie in Umlauf zu bringen. Vielmehr soll er sich so sehr von den Heiligen Schriften ernähren, dass er selbst lebendiges Wort wird, das heißt, sie mit seinem Dasein und seinen Verhaltensweisen mitteilt. Darin erweist sich seine Autorität. Jene von innen und von außen beschriebene Schriftrolle steht für die geistliche Schriftlesung, also für eine Lektüre der Bibelworte, die diese mit dem alltäglichen Leben verknüpft. Denn hinter dem Buchstabensinn des Geschriebenen verbirgt sich der geistliche Sinn, also das, was der Text meinem Leben, was er der Gemeinschaft zu sagen hat, damit sie imstande ist, die Welt so zu verändern, wie Gott es will.