Gebet für den Frieden

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Gebet für die Einheit der Christen. Besonderes Gedenken an die altorientalischen Kirchen (die syrisch-orthodoxe, koptische, armenische, äthiopische und syro-malabarische Kirche) und an die assyrische Kirche.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das erste Buch Samuel 15,16-23

Da sagte Samuel zu Saul: Hör auf! Ich will dir verkünden, was der HERR mir heute Nacht gesagt hat. Saul antwortete: Sprich! Samuel sagte: Bist du nicht, obwohl du dir gering vorkommst, das Haupt der Stämme Israels? Der HERR hat dich zum König von Israel gesalbt. Dann hat dich der HERR auf den Weg geschickt und gesagt: Geh und vollziehe an den Übeltätern, an den Amalekitern, den Bann; kämpfe gegen sie, bis du sie vernichtet hast! Warum hast du nicht auf die Stimme des HERRN gehört, sondern hast dich auf die Beute gestürzt und getan, was dem HERRN missfällt? Saul erwiderte Samuel: Ich habe doch auf die Stimme des HERRN gehört; ich bin den Weg gegangen, auf den der HERR mich geschickt hat; ich habe Agag, den König von Amalek, hergebracht und an den Amalekitern den Bann vollzogen. Aber das Volk hat von der Beute einige Schafe und Rinder genommen, das Beste vom Banngut, um es dem HERRN, deinem Gott, in Gilgal zu opfern. Samuel aber sagte: Hat der HERR an Brandopfern und Schlachtopfern das gleiche Gefallen wie am Gehorsam gegenüber der Stimme des HERRN? Wahrhaftig, Gehorsam ist besser als Opfer, Hinhören besser als das Fett von Widdern. Denn wie Sünde der Wahrsagerei ist Widerspenstigkeit, wie Frevel mit Götzenbildern ist Auflehnung. Weil du das Wort des HERRN verworfen hast, verwirft er dich als König.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Samuel erinnert Saul an die Bedeutung der königlichen Salbung: dem Herrn zuhören, ihm gehorchen - „shemà" (1 Sam 15,1). Nach diesem Aufruf zum Zuhören befiehlt Samuel dem Saul, die Amalekiter zu zerstören, ohne irgendjemanden zu verschonen, weil sie sich in der Vergangenheit Israel immer wieder widersetzt haben. Dieser Befehl ist schwer zu verstehen, wenn man ihn losgelöst von der Mentalität der damaligen Zeit betrachtet, doch er offenbart die Radikalität des Handelns Gottes. Saul gehorcht und besiegt die Amalekiter. Er führt aber den Befehl, sie völlig zu vernichten, nicht wortgetreu aus, auch weil er dem Volk gefallen will. In der Nacht hat Samuel eine Vision, in der Gott selbst zu ihm sagt: „Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe". Der Herr bedauert, dass er Saul ausgewählt hat und nimmt seine Erwählung zurück, weil er nicht gehorcht hat. Saul kann weiterhin das Amt des Königs innehaben, aber er ist nicht mehr der Gott gehorsame König, und deswegen auch nicht mehr Samuels König. In der Begegnung zwischen Samuel und Saul nach der Schlacht versucht Saul, dem Herrn gegenüber seine Treue zu bezeugen. Samuel weiß jedoch gut, was geschehen ist. Hintersinnig fragt er Saul nach dem Blöken der Schafe und dem Gebrüll der Rinder, das er hört. Saul verteidigt sich und beschuldigt das Volk, die Beute genommen zu haben. Hier zeigt sich die perverse Logik dessen, der sich verteidigt, indem er die anderen beschuldigt. Samuel weist die Selbstverteidigung Sauls zurück und beschuldigt ihn des Ungehorsams. Zudem erinnert er ihn daran, dass er alles dem Herrn verdankt, der ihn erwählt und gesalbt hatte, damit er nur auf seine Stimme hört und nur ihm gehorcht. Saul hat sich entschieden zuzuhören, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Der Prophet erinnert ihn daran: „Hat der HERR an Brandopfern und Schlachtopfern das gleiche Gefallen wie am Gehorsam gegenüber der Stimme des HERRN? Wahrhaftig, Gehorsam ist besser als Opfer, Hinhören besser als das Fett von Widdern". Sauls Reaktion darauf ist in diesem Moment ehrlicher. Er gibt zu, dass er auf das Volk und nicht auf den Herrn - oder Samuel - gehört hat. Aber das genügt nicht. Das Urteil des Herrn ist endgültig. Saul richtet einen letzten verzweifelten Appell an Samuel und greift nach dem Zipfel seines Mantels - doch umsonst (1 Sam 15,27). Die Herrschaftswürde ist Saul entrissen. Samuel bestätigt ihm, dass sie „einem anderen, der besser ist als du" (1 Sam 15,28) gegeben wird. David wird nicht erwähnt, aber die Anspielung ist deutlich. Saul akzeptiert das Unvermeidliche (1 Sam 15,30). Er gesteht noch einmal seine Schuld und fleht Samuel an, ihm zu erlauben, in den Augen der Ältesten seines Volkes sein Gesicht wahren zu können. Samuel erhört ihn, doch die Religiosität Sauls ist von einem tiefen Ungehorsam geprägt, der das Wort Gottes unwirksam macht.