Vorabend des Sonntags

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Die armenische Kirche gedenkt heute des "Metz Yeghern" (des Großen Übels). Sie erinnert damit an die während des Ersten Weltkriegs erlittenen Massaker, bei denen über eine Million Armenier getötet wurden.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird in Ewigkeit nicht sterben.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Johannes 6,60-69

Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören? Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn ausliefern würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen,
so spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Dieser Abschnitt schließt die lange "Brotrede" ab, die Jesus in der Synagoge von Kafarnaum hält. Der gesamte Abschnitt beinhaltet eine grundlegende Wahrheit: Jesus "hat" das Brot nicht nur, wie die Leute dachten, nachdem sie das Wunder der Brotvermehrung gesehen hatten, vielmehr "ist" er das Brot. Diese Selbstbezeichnung Jesu als das "Brot des Lebens" halten selbst die Jünger für übertrieben. Zueinander sagen sie: "Diese Rede ist hart." Zu Recht deuten sie diese Worte vom Essen des Fleisches Jesu und vom Trinken seines Blutes so, dass damit die Annahme einer übergroßen, das ganze Leben durchdringenden Liebe verbunden ist. Eine solch große und ergreifende Liebe wollen sie nicht akzeptieren. Sie bevorzugen eine Freiheit von jeglicher Bindung. Diese individualistische Versuchung engt die Sichtweise auf das eigene Leben mit der Überzeugung ein, dass man sich allein retten könne. Doch die Einsamkeit ist wie ein Virus, das unsere Gesellschaften zersetzt. Denn die verbindenden Beziehungen zerfallen zusehends, während spaltende Konflikte und Spannungen zunehmen. Die Worte Jesu bilden einen radikalen Widerspruch zu einer individualistischen Kultur. Kann man jedoch eine solch enge Verbundenheit mit Jesus akzeptieren mit der Aufforderung, sogar Teil seines Fleisches zu werden? Dann sollte man sich besser von ihm trennen. Und das geschah auch. Diese Jünger hätten einer Verbundenheit mit einem nahen Gott zugestimmt, nicht aber, dass er zu sehr in ihr Leben eingreift. Schmerzerfüllt über den Weggang vieler Jünger wendet sich Jesus an die "Zwölf" und fragt sie: "Wollt auch ihr weggehen?" Es ist einer der dramatischsten Augenblicke im Leben Jesu. Er konnte sein Evangelium nicht verleugnen, selbst wenn er dadurch allein zurückgeblieben wäre. Die Liebe des Evangeliums ist exklusiv. Petrus hat wohl Jesu leidenschaftlichen, aber auch festen Blick gesehen und lässt sich im Herzen berühren, sodass er das Wort ergreift und im Namen aller sagt: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens." Er sagt nicht: "Wohin", sondern "Zu wem sollen wir gehen?" Der Herr Jesus ist wahrlich unser einziger Retter.